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Change: Else’s Öffnungzeiten

Prolog

Paradox, dass man sich zurücknehmen muss, um mehr geben zu können. Dass das Festsetzen von Öffnungszeiten ein Statement gleichermaßen für eine angenehmere Arbeitswelt & die eigene Selbstverwirklichung ist. Wie eine Woche voller negativer Erfahrungen dafür sorgt, wieder dichter an seiner eigenen Idee zu sein & wieder besser zu wissen, was man möchte & wohin es gehen soll.

Wer hat dafür gesorgt, dass mein klitzekleines Blumenprojekt schon so groß ist? So groß, dass ich zeitweise jeden Tag mit Else unterwegs bin? Dass in meinem Postfach viele Mails liegen, die ich garnicht abarbeiten kann? Wer sorgte für die öffentliche Aufmerksamkeit? Dafür, dass Erwartungen entstehen, die nicht erfüllt werden können? Wer lies selber Erwartungen entstehen, die nicht erfüllt werden können?

Nun ja, das war dann wohl ich: Anne Cavalier; 25 Jahre alt, Wahlhamburgerin, verheiratet! Schuldig, im Sinn der Anklage.

Gott sei Dank konnte ich mich, getrieben von meinem eigenen Anspruch, meinem Hang zu perfekten Leistungen & überdimensionalem Ehrgeiz, nicht unbemerkt davon schleichen. Nein nein! Ein Heulsonntag im Ehebett lies mich wach werden! Denn schon seit ein paar Wochen merkte ich, wie mir mein eigenes Unternehmen durch die Hände glitt. Wie ich nur noch ja und Amen sagte, nur noch arbeitete, rannte, machte & völlig vergas, was ich tue & wieso.

Schluss mit: Be so good they can’t ignore you.

Wie gruselig, dass die Arbeitswelt mich so eingenommen hat. Durchatmen ist nicht erlaubt, acht Stunden sind das Minimum am Arbeitstag. Absagen gibt es nicht, nur Zusagen & weitermachen. Vor einigen Jahren habe ich das mit meinem Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt gelernt. Leistung ist alles was zählt – und darin kann ich unglaublich gut sein. Im Abi immer Einsen, im Job nie krank sein, mehr Projekte machen, als man stemmen konnte, fremde Hilfe brauch ich nicht. Am Wochenende kann man sich ausruhen oder eben in der Rente. Totaler Misst & die Gründe dafür, dass ich kein Arbeitnehmer sein wollte. Doch das vergas ich für einen kurzen Moment.

Wir arbeiten, um zu Leben. Niemals sollte es anders herum sein, auch wenn es für viele von uns das Normalste der Welt ist 60h in der Woche zu reißen. Den Arzttermin auf einen Tag legen, den man sich eh schon frei genommen hat, den Friseur auf den Samstag schieben. Heute mal 2h Stunden länger bleiben. Nur nicht früher gehen, dann gucken alle komisch. Mein Gott, was ist nur mit uns los? Was haben wir von

YOU GET WHAT YOU WORK FOR NOT WHAT YOU WISH FOR!
IF YOUR DREAMS DON’T SCARE YOU, THEY ARE TO SMALL!
IF YOU GET TIRED, LEARN TO REST NOT TO QUIT!
??

Ich hab erkannt, dass ich mir eine andere Platzierung für das große Wort ARBEIT in unserer Gesellschaft wünsche & gleichermaßen begriffen, dass ich selbst ändern muss, damit sich was ändert!

Nein zu 24/7/365

Seit dem 1. September 2019 hat Bloomgerie Öffnungszeiten. Telefonisch erreicht ihr mich künftig Dienstag bis Freitag von 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr. Montag, Samstag & Sonntag ist Bloomgerie geschlossen – für die Außenwelt. Vier Stunden Tage haben mich immer fasziniert, acht Stunden sind zu lang & Rund-um-die-Uhr ist nach dem ersten halben Jahr keine Option mehr. Das ich im Hintergrund wie wild weiterarbeite, ist wohl klar, aber dieser Rahmen bringt mich dichter an meine Idealdefinition von ARBEIT & macht etwas besser, dass ich immer kritisiert habe.

Damit möchte ich es Euch keines Willen schwerer machen, als es eh schon ist, während seiner eigenen Arbeitszeiten Absprachen zu treffen. Aber unterstützen möchte ich den Wahnsinn auch nicht. Per Mail, Instagram oder Mail könnt ihr Euch jederzeit melden.

Doch in Echtzeit reagieren gehört auch nicht zum gesunden Leben. Ich antworte Euch. Versprochen! Aber gebt mir bitte etwas Zeit.

Und bitte, seht davon ab mir Termine zu schicken, an denen ich anrufen soll. Lasst es uns wie gelernt & gewohnt beibehalten. Der, der etwas vom anderen möchte, macht den ersten Schritt & meldet sich. Ich bin dankbar, wenn wir das umsetzen können & einen kleinen Beitrag für ein neues Arbeiten leisten können. Es wird funktionieren, da bin ich mir sicher!

Quelle: unsplash

Wenn alles nur noch wächst, ist irgendwann kein Platz mehr

Kein Platz mehr für die eigene Idee, die eigenen Werte. Kein Platz für Weiterentwicklung, Spaß & Freude. Für Achtsamkeit, Authentizität & Anne.

Die letzten 6 Monate waren intensiv, schnelllebig, stressig & absolut aufregend. Für meinen Geschmack etwas zu schnell! Wachsen ist toll, biologisch wohl so vorgesehen, aber organisch absolut sinnvoll. Und das was in den letzten Monaten passiert ist, war einfach eine Nummer zu heavy. Und da Else eh ein Fan der langsamen Geschwindigkeiten ist, schalten wir einen ihrer 4 Gänge zurück & lassen uns fallen. Wir besinnen uns auf Wohlbefinden, nicht Wachstum – auf Freude, nicht Frust – auf Leidenschaft & Lernen.

Zu meinem Plan gehören in diesem Jahr also keine Workshops mehr, kein Laden, keine neuen Einrichtungen. In den restlichen Tagen dieses Jahres geht es um Else & Anne !

Moral

Es liegt an uns zu ändern. Dabei geht es nicht darum zu optimieren, nicht wirtschaftlich zu denken & unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu handeln. Es geht um Menschlichkeit & unserer Gesellschaft ein bisschen mehr davon zu verleihen.

Ich hab ganz kurz den Faden verloren, an dieser einen Stelle, als mein Unternehmen begann zu funktionieren, aber jetzt hab ich ihn wiedergefunden & verstanden, dass es keinen Sinn macht, alles genauso zu machen, wie andere es machen, wie andere es wollen, wie wir es alle seit Jahrzehnten machen. Das sorgt nur dafür, dass alles so bleibt wie es ist, nicht jedoch dafür, dass es besser wird.

Alles Liebe, Anne

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